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Kiezblock wirkt

Eine Metastudie von STRATMO, kurz für Strategische Mobilitätsplanung, zeigt, dass Verkehrsberuhigung durch Kiezblocks wirken. Die Sicherheit steigt, in und um Kiezblocks sinken die Menge und Schwere von Unfällen stark, v.a. mit Fuß- und Radbeteiligung. Auch die Akzeptanz der Maßnahmen ist weit höher, als häufig dargestellt. Senatorin Bonde (CDU) stoppte im Mai 2025 die Finanzierung von Kiezblocks. Jetzt wissen wir: Ihre Begründung, Sicherheitsbedenken, fußt nicht auf wissenschaftlicher Evidenz.

2020 startete Changing Cities die Kampagne für Kiezblocks in Berlin – für sichere Wege durch weniger Kfz-Durchgangsverkehr sowie bessere Lebensqualität in den Wohnvierteln. Von knapp 75 berlinweiten Initiativen sind 35 Kiezblocks in den Bezirken beschlossen. Allerdings wird die Umsetzung derzeit stark behindert, weil Senatorin Bonde (CDU) die Finanzierung aus politischen Gründen gestoppt hat. Studien aus Barcelona und London zeigen die positiven Effekte der Verkehrsberuhigung schon länger – nun wissen wir, dass dies auch für Berlin gilt. Weder nimmt der Kfz-Verkehr auf anderen Straßen zu, noch steigen die Gefahren durch Poller an. Mit ihrer Aussage, Poller gefährde Menschenleben, hat sich Senatorin Bonde (CDU) fachlich disqualifiziert. Ihre Sturheit ist es, weshalb jeden Tag Menschen in Wohnvierteln zu Schaden kommen, auf dem Weg zur Schule, vom Arzt oder an einer der vielen gefährlich zugeparkten Ecken.

Zum ersten Mal für Berlin fasst eine umfassende Studie die Effekte bisheriger Kiezblock-Maßnahmen vor Ort zusammen. Sie zeigt eindeutig, dass Verkehrsberuhigung durch Kiezblocks zu mehr Sicherheit, Gesundheit und Lebensqualität führt. Während die Unfallzahlen in Berlin von 2018 bis 2024 um 14 Prozentpunkte zurückging, messen die Autoren einen Rückgang von 34 Prozent innerhalb der Kiezblocks. Zieht man die angrenzenden Hauptverkehrsstraßen hinzu, stellen die Autoren einen 29-prozentigen Rückgang fest.

„Senatorin Bonde (CDU) liegt ein weiteres Mal vollkommen daneben. Mit dem Finanzierungsstopp für die Kiezblocks regiert sie gegen den Willen der Menschen in Berlin. Wetten, dass sie trotz der nun vorgelegten wissenschaftlichen Evidenz an ihrem ideologischen Kampf gegen die Berliner*innen und für das Auto festhält? Die Senatorin wird zu einem echten Problem für die CDU. Schließlich gibt es im Herbst Wahlen!”, kommentiert Ragnhild Sørensen von Changing Cities.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie sind:

  • Unfälle in und um Kiezblocks sinken stark.
  • Unfallschwere sinkt, weniger Unfälle mit Fuß und Rad.
  • Keine nennenswerte Verkehrsverlagerung auf umliegende Straßen, statt Kfz-Verkehr wird mehr zu Fuß und Rad verkehrt.
  • Deutliche Zustimmung von z.T. weit über 60 Prozent der Befragten in allen Kiezen, besonders stark wenn nicht nur Verkehrssicherheit verbessert sondern auch Gestaltung.

Die meisten profitieren von mehr Fuß- und Radverkehr, bei anderen wie z.B. Getränkehändlern bedarf es Sonderlösungen. Erfreulich ist jedoch, dass die Verwaltung mit jeder Umsetzung dazulernen und differenziertere Lösungen anbieten können. So z.B. in Winskiez, wo das Gewerbe verstärkt in die Planung miteinbezogen wird oder am Lausitzer Platz, wo automatische Poller zeitweise für den Lieferverkehr herunterfahren. Das pauschale Poller-Bashing, das Berliner fast täglich zu lesen bekommen, entspricht nicht der Realität in den Kiezen – oder wie die Studie schreibt: „[S]olche Debatten [werden] häufig durch bewusste Fehlinformationen und emotional aufgeladene Narrative verstärkt.”

Weiterführender Link:
Die Studie VERKEHRSBERUHIGUNG IN BERLIN

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